Interviews mit Berufstätigen: Geschäftsführer einer Klinik

Nach einem BWL Studium gibt es hunderte Jobmöglichkeiten. Von Marketing über Controlling bis Gesundheit gibt es viele Branchen, in denen Absolventen ihren Berufseinstieg finden und ihre Karriere starten. Aber wie genau sehen die Jobs nach dem Studium eigentlich aus? Was sind typische Erfahrungen und Berufswege? Wir haben bei Berufstätigen nachgefragt und hilfreiche Einblicke erhalten.

Nachfolgend geht es um die Gesundheitsbranche: Marc R., Geschäftsführer der Asklepios Klinik für Psychische Gesundheit in Langen, berichtet aus seinem Berufsleben. Welche Herausforderungen im Klinikbetrieb auf einen Geschäftsführer warten und was er jungen Leuten zur Studienwahl rät, hat er im Interview erzählt.

Geschäftsführer einer Klinik für Psychische Gesundheit

Marc R.

Betriebswirtschaftslehre an der FH Coburg

Geschäftsführer der Asklepios Klinik für Psychische Gesundheit

Klinik-Geschäftsführer
Klinik-Geschäftsführer

Lieber Herr R., vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für unser Interview nehmen. Gehen wir direkt mal ein paar Jahre zurück in der Zeit – warum haben Sie sich nach Ihrem Schulabschluss für ein BWL Studium entschieden? Was hat Sie an dem Studiengang gereizt?

Interessant fand ich die diversen Wahlmöglichkeiten zur Spezialisierung, welche nach dem Grundstudium angeboten wurden.

Das Studium der Betriebswirtschaftslehre bietet eine sehr breitgefächerte und fundierte Ausbildung im kaufmännischen Bereich. Dieses Wissen bildet für einen Großteil aller Berufe die Basis. Mittlerweile werden auch in vielen technischen und medizinischen Berufen betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse und "Management-Skills" erwartet. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, absolvieren viele Berufstätige aus anderen Berufszweigen ein zusätzliches Betriebswirtschafts- oder Managementstudium. Spätestens wenn die Entscheidung zur "Selbstständigkeit" ansteht, sind betriebswirtschaftliche und kaufmännische Inhalte unerlässlich. Diese Tatsache hat mich persönlich dazu bewegt, dieses Studium zu absolvieren.

Interessant fand ich die diversen Wahlmöglichkeiten zur Spezialisierung, welche nach dem Grundstudium angeboten wurden. Diese beinhalteten u.a. Marketing, Controlling, Recht/Steuern, Personalmanagement und in meiner ehemaligen Fachhochschule den damalig noch relativ neuen Bereich "Management im Gesundheitswesen". Die zuletzt genannte Ausrichtung hat mir die Möglichkeit gegeben, meine Stärken zu zeigen und mit viel Fleiß und Engagement den heutigen Beruf auszuüben.

Nach dem Studienabschluss 2006 haben Sie schnell Karriere gemacht und sind heute Geschäftsführer einer Klinik bei Asklepios, einem der größten Klinikbetreiber in Deutschland. Wie können wir uns Ihren Berufsalltag vorstellen?

Man übernimmt relativ schnell die Verantwortung für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und damit verbunden die wirtschaftliche Ausrichtung der Klinik.

Grundsätzlich ist die "bewusste Entscheidung", die Aufgaben eines Geschäftsführers zu übernehmen, eine wichtige Voraussetzung für diese Position. Als Geschäftsführer geht man aus der Funktion des Arbeitnehmers in die des Arbeitgebers. Die Rechte und Pflichten unterscheiden sich hinsichtlich der Verantwortung deutlich. Die Herausforderung in Einrichtungen des Gesundheitswesens ist das Zusammenspiel der unterschiedlichen Berufsgruppen (Ärzte, Pflege, Verwaltung, Psychologen, Therapeuten, Servicekräfte usw.) unter ökonomischen und medizinischen Gesichtspunkten. Man übernimmt relativ schnell die Verantwortung für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und damit verbunden die wirtschaftliche Ausrichtung der Klinik. Den klassischen Alltag erlebt man in einer Klinik eher selten. Dies liegt in der Tatsache, dass der Kernprozess in der Klinik, die Behandlung und Therapie von Patienten und ihren Krankheitsbildern sind. Der überwiegende Anteil der Aufgaben besteht aus der Wahrnehmung von Terminen und kurzfristigen Gesprächen mit den Abteilungsleitern der verschiedenen Berufsgruppen. In vielen Gesprächen gilt es zu akuten Problemstellungen gemeinsam Lösungen zu finden. Kliniken befinden sich darüber hinaus in einem permanenten Veränderungsprozess. Das bedeutet, dass man sehr oft in Bau-, Erweiterungs- oder Sanierungsprojekten involviert wird. Aber auch die strategische Ausrichtung und Neujustierung der Klinik ist eine spannende Aufgabe.

Als besondere Herausforderung bei diesen Themen stellt sich dass sogenannte "Changemanagement" dar. Es ist aufgrund historischer Entwicklungen, aber auch durch das Zusammenwirken vieler Berufsgruppen und Prozesse, manchmal schwierig alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam zu Veränderungen und zum Umdenken zu führen. Es wäre wünschenswert, wenn das leider noch oft verbreitete "hierarchische Denken" einiger Berufsgruppen und das teilweise signifikant ausgeprägte Abteilungsdenken sich stärker flexibilisieren würde.

Im Gegensatz zu industriellen Unternehmen gibt es im Gesundheitswesen sehr viele Regularien und Gesetze aus der Gesundheitspolitik. Der Handlungsrahmen für Gesundheitseinrichtungen und im Speziellen "Kliniken" ist sehr stark eingeschränkt und reglementiert. Eine Klinik unter diesen Rahmenbedingungen ökonomisch zu betreiben wird stetig schwieriger. Kreative Ideen und der Überblick über das Gesamtsystem sind hier ein entscheidender Managementfaktor.

Sie haben sich während des BWL-Studiums schon auf die Bereiche Controlling und Management im Gesundheitswesen spezialisiert. Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Eigenschaften und Kenntnisse, die man für einen erfolgreichen Berufseinstieg bzw. eine aufstrebende Karriere benötigt? Nach welchen Kriterien stellen Sie Nachwuchsmanager ein?

Aufgrund der mannigfaltigen Themen und Projekte ist strukturiertes Arbeiten und analytisches Denken mit Sicherheit von Vorteil.

Junge Nachwuchsführungskräfte/Trainees für den kaufmännischen Bereich werden bei uns in der Asklepios-Gruppe im Rahmen eines Traineeprogrammes vom Gesellschafter persönlich ausgesucht und in einem speziellen Führungskräftebetreuungsprogramm betreut. Die Ausbildung erfolgt aber überwiegend in den Kliniken als "Training on the job". Entscheidend für mich ist, dass die Nachwuchskräfte Interesse und Neugierde an der Aufgabe zeigen. Aufgrund der mannigfaltigen Themen und Projekte ist strukturiertes Arbeiten und analytisches Denken mit Sicherheit von Vorteil. Hilfreich sind auch entsprechende Praktika in den Unternehmen. Sie helfen einen höheren Praxisbezug zu erlangen und den für sich geeigneten Studienschwerpunkt zu finden.

Ich würde den Studenten zu den Schwerpunkten raten, die ihnen Spaß machen. Der Erfolg stellt sich dann anschließend von alleine ein.

Und unsere letzte Frage: Würden Sie Studieninteressenten heutzutage nach wie vor zu einem BWL Studium raten?

Jungen Menschen, die an kaufmännischen Berufen interessiert sind, würde ich jederzeit zu diesem Studium raten.

Die Betriebswirtschaftslehre hat leider teilweise immer noch den Makel, sehr theoretisch und langweilig zu sein. Dies ist schlichtweg veraltet. Wie eingangs erwähnt, bietet die Betriebswirtschaftslehre eine entscheidende Grundlage für viele verschiedene Berufsrichtungen.

Jungen Menschen, die an kaufmännischen Berufen interessiert sind, würde ich jederzeit zu diesem Studium raten. Sie sollten sich jedoch etwas Zeit nehmen bei der Wahl der Hochschule und die Inhalte des Studiums vergleichen. Der Faktor Spaß sollte bei einem Studium schließlich nicht zu kurz kommen.

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