BWL Studium bei SRH Heidelberg

BWL studieren – FH oder Uni?

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Auch heute gibt es oft noch den Gedanken, dass ein Universitäts-Abschluss höher angesehen ist als ein Abschluss von einer Fachhochschule. Nach dem Bologna-Prozess, und den somit eingeführten Bachelor- und Masterprogrammen, zählt dieses Vorurteil nicht mehr. Auch der Unterschied im Gehalt zwischen FH- und Uni-Absolventen ist nicht mehr präsent.

Für die Entscheidung bezüglich der Hochschulwahl wollen wir dir hier eine Skizzierung der beiden Hochschulformen geben. Diese können aber nur als Denkanstoß dienen, denn letztendlich musst du dich für die Hochschule entscheiden, bei der du dich erfolgreich studieren siehst.

Universität

FH Hörsaal
Es heißt immer: An der Uni studieren Theoretiker. In der Tat ist das BWL-Studium an der Uni meist theoretischer angelegt als an FHs, wodurch die analytischen Fähigkeiten der Uni-Studenten entwickelt und gefördert werden. Selbstdisziplin und Selbstinitiative bezüglich des Lernens und des Lernpensums zeichnen das Studium an einer Universität aus. Die Vor- und Nachbereitung der Vorlesungen und Seminare liegt im eigenen Ermessen der Studenten, die aber an den oft von den Dozenten gestellten Skripten orientiert werden kann – ebenso wie die Klausurvorbereitung.

Eine Universität ist meist größer angelegt als eine Fachhochschule. Demnach gibt es ein breiteres Studienangebot und die Anzahl der Studierenden ist ebenfalls höher als an Fachhochschulen (obwohl die Zahl auch hier in den letzten Jahren erkennbar zugenommen hat). Dies führt wiederum zu deutlich volleren und manchmal auch überfüllten Hörsälen in Deutschlands Universitäten. Hier nehmen auch mal mehrere hundert Studenten an einer einzigen Vorlesung teil. Da ist es verständlich, dass die Dozenten nicht alle Namen ihrer Studenten wissen bzw. den Namen auch Gesichter zuordnen können. Anonymität ist ein kennzeichnender Faktor der Universität. Somit müssen Studenten sich auch manchmal durchkämpfen und in der Schlange einreihen, wenn sie von einem Dozenten individuelle Beratung und/oder Betreuung möchten.

Dieser Anonymität wird jedoch an manchen Universitäten durch Seminare, in denen auch nur bis zu 30 Studenten zugelassen werden, entgegengewirkt. So kann auch ein persönlicher Kontakt zu Dozenten der Universität entstehen.

Fachhochschule

FH Dozent
Fachhochschulen werden heute überwiegend als Hochschulen oder Universities of Applied Sciences gekennzeichnet. Wenn man die englische Bezeichnung übersetzt, erkennt man, welchem Aspekt sich die FHs verschrieben haben: der Praxisorientierung. An einer Universität der angewandten Wissenschaften wendet man die Lerninhalte in praktischen Arbeiten an. An den Fachhochschulen studieren die Praktiker. Diejenigen, die praxisorientiert lernen wollen, hieß es bei deren Gründung. Denn Fachhochschulen wurden mit dem Gedanken ins Leben gerufen, so viel Praxis wie möglich in ein Studium zu integrieren.

Mit den Jahren und gerade seit dem Bologna-Prozess werden die Unterschiede zwischen Universitäten und Fachhochschulen immer mehr verringert. Fachhochschulen zeichnen sich jedoch immer noch durch einen ausführlicheren Praxisbezug aus. Sie arbeiten u.a. eng mit Unternehmen zusammen, bei denen die Studenten Praktika und/oder Kooperations-Arbeiten absolvieren und somit nützliche Praxiserfahrung schon während des Studiums sammeln können. Zusätzlich kann der Fakt, dass FH-Dozenten bereits jahrelange Berufserfahrung vorweisen müssen bevor sie in die Lehre einsteigen, wichtig sein. Denn so haben die Dozenten nützliche Kontakte in der jeweiligen Branche und zu Unternehmen gesammelt und wissen, was Arbeitgeber von Nachwuchskräften erwarten.

Das Studienangebot an Fachhochschulen ist meist geringer als das an Universitäten. Oft fallen Studiengänge wie Jura an Fachhochschulen weg. Außerdem sind FHs meist kleiner angelegt als Unis – es gibt demnach weniger Studenten und kleinere Lerngruppen von 20 bis 50 Studenten. Dieses verschulte System der FH kommt den Studierenden insoweit zum Vorteil, dass so eine familiäre und klassenähnliche Atmosphäre zwischen Studenten und Dozenten erreicht wird. Deswegen ist es an Fachhochschulen gängig, dass Dozenten ihre Studenten mit Namen ansprechen. Zudem ist es für die Studierenden häufig leichter zu durchschauen, welcher Dozent nun der richtige Ansprechpartner in dem ein oder anderen Belangen ist. Durch die straffe Organisation des Studiums ist es für die Studierenden oft leichter den Überblick zu behalten. So werden die Stundenpläne z.B. von der FH gestellt oder lassen nur wenig eigenmächtige Gestaltung der Studenten zu.

Gemeinsamkeiten von FH und Uni

FH-Seminar
Bei allen Unterschieden der beiden Hochschulformen, haben Universitäten und Fachhochschulen auch einige Gemeinsamkeiten.

Bezüglich Internationalität stehen sich FH und Uni in Nichts nach. An beiden Hochschulformen sind Auslandspraktika oder Auslandssemester möglich und gern wahrgenommen. Auch stimmt der Gedanke, dass nur an Universitäten geforscht wird, nicht. Beide Hochschulformen sind in der Forschung aktiv. Zwar bekommen die Universitäten mehr Gelder als die Fachhochschulen, jedoch wird dies durch Kooperationen zwischen FHs und Unis oft ausgeglichen.

Nach der Studie des Bundesbildungsministeriums zu Forschung und Praxis im Studium von 2012 liegt die Fachhochschule bezüglich der Forschungsanteile nicht mehr hinter der Universität, sondern hat aufgeholt. Die Universitäten können also keinen bedeutenden Vorrang mehr in der Forschung gegenüber den Fachhochschulen vorweisen. Zudem gibt es an beiden Hochschulformen Zusatzangebote wie Fremdsprachkurse oder Freizeitangebote wie z.B. verschiedene Sportarten.

Vergleich Studienverlaufspläne FH und Uni

Für die Veranschaulichung des BWL-Studiums an einer Universität sowie an einer Fachhochschule haben wir im Folgenden zwei Studienverlaufspläne dargestellt. Der eine ist von der Technischen Universität Freiberg, der andere von der (Fach-)Hochschule Augsburg.





Den wesentlichen Unterschied sieht man im fünften Semester. Während an der Uni mit Vorlesungen und Seminaren zur Vertiefung des Studiums fortgefahren wird, ist das fünfte Semester des BWL-Studiums an der FH Augsburg der Praxis verschrieben. Hier stehen ein 18-wöchiges Praktikum, sowie Arbeitsrecht und ein Praxisseminar auf dem Lehrplan.

Fächer wie Mikro- und Makroökonomie, Statistik, Mathematik, Marketing, Management und Recht sind auf beiden Studienplänen zu finden. Größtenteils sind die Fächer, die an Unis und FHs gelehrt werden also deckungsgleich. Je nach angebotenem Schwerpunkt gibt es entsprechende Abweichungen im Fächerangebot. Es kann also nicht gesagt werden, dass die eine Hochschulform ein umfangreicheres oder besseres BWL-Studium anbietet als die andere. Als Student brauchst du demnach keine Sorge haben, dass man mit einem Studium an einer FH / Uni schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat oder nicht, da die Qualifikation die gleiche ist (wie auch der Grad des Bachelors und/oder Masters unterstreicht).

Der Vergleich der Studienverlaufspläne zeigt jedoch durch die Unterschiede im fünften Semester (der hier gewählten Beispiele), dass das BWL-Studium an einer FH sich mehr der Praxis verschreibt und die Universität meist mehr auf die Theorie bedacht ist.

Studien

Falls du dich überhaupt nicht entscheiden kannst, haben wir hier für dich noch ein paar Ergebnisse von Studien bezüglich des Studiums an Universitäten bzw. an Fachhochschulen zusammengefasst. Diese können richtungsweisend aber nicht entscheidend sein. Erkundige dich immer sorgfältig über die Hochschulen deiner engeren Auswahl, welche Lernkultur sie vertreten, wie die Studiengänge aufgebaut sind etc. Denn nur du kannst wissen, welche Studienform und welche Hochschulart für dich am passendsten ist und wo du und deine Fähigkeiten am besten gefördert werden.

Studie zu Forschung und Praxis im Studium

Nach einer Studie des Bundesbildungsministeriums zu Forschung und Praxis im Studium von 2012 sind Forschungsbezüge in der Lehre an der Universität für die Studierenden wichtiger. An den Fachhochschulen sind es wiederum die Praxisbezüge, die den Studenten in der Lehre wichtiger sind. Dies spiegelt die gängige Vorstellung der Lehre an den zwei grundlegenden Hochschulformen in Deutschland wider.


Vergleich Praxis


Dass sich aber auch die Universitäts-Studenten einen intensiveren Praxisbezug wünschen, zeigen die Umfragewerte zu Verbesserungen der Studiensituationen der Studie. 44% der Uni-Studenten fordern einen stärkeren Praxisbezug in der Lehre, 42% fordern mehr praktische Übungen und 40% mehr Vermittlung praktischer Anwendungen. Es wird also an Universitäten generell mehr Praxisbezug von den Studierenden gewünscht. Demgegenüber stehen die niedrigeren Prozentzahlen der FH-Studenten mit 26% (Praxisbezug in der Lehre) und 29% (Übungen, Anwendungen).

Außerdem geht aus der Studie hervor, dass allen Studenten (FH und Uni) der Praxiserwerb während des BWL-Studiums wichtig ist. 59% der Universitätsstudenten und 71% der Fachhochschulstudenten sprechen sich hierfür aus.

Den Praxisbezug der einzelnen Lehrveranstaltungen bewerten 72% der FH-Studenten als gut, bei den Uni-Studenten sind es mit 46% deutlich weniger.

Die positive Veränderung im Hinblick auf den Praxisbezug an Unis ist jedoch schon in Form von obligatorischen Praktika merkbar. 72% der befragten Uni-Studenten geben an, dass sie während ihres Studiums ein Praktikum absolvieren müssen. Damit ist der Abstand zu den FH-Studenten mit 87% nicht ganz so groß.

Studie zur Studiensituation und studentischer Orientierung

Nach einer Studie des Bundesbildungsministeriums zur Studiensituation und studentischer Orientierung von 2010 sind 17% der Studenten an den FHs die Vorlesungen zu überfüllt, 34% der Studenten der Unis beklagen die Überfüllung an Universitäten. Diese Zahlen unterstreichen die These, dass Unis größer bzw. die Studentenzahlen höher sind als an FHs.


Vergleich Verbesserung


Dass sie eine gute Beziehung zu Lehrenden haben sagen 29% der Uni-Studenten. Demgegenüber stehen 48% der FH-Studenten. Das lässt darauf schließen, dass an FHs tatsächlich eine vertraute Atmosphäre zwischen Studenten und Lehrenden herrscht.

Das Gefühl, dass nur die Leistung und nicht die Person zählt haben an den Unis 47% der Studierenden, an den FHs hingegen 33%. Das kann auf die verschulte Struktur der Fachhochschulen zurückgeführt werden, da die Dozenten hier oft die Namen und die Gesichter ihrer Studenten kennen.

28% der Uni-Studenten geben an, dass es genügend Ansprechpartner für sie an der Universität gibt. An den FHs haben 38% der Studenten das Gefühl genügend Ansprechpartner zu haben. Auch hier scheint die kleinere Größe der Hochschule und die Anzahl der Studenten sich positiv auszuwirken.

Berufschancen

Uni Vorlesung
Trotz aller Annäherung der beiden Hochschulformen gibt es immer noch Unternehmen, die den Uni-Abschluss dem FH-Abschluss vorziehen. So sagt z.B. Jens Hohensee, Senior-Berater bei Kienbaum Executive Consultants: „Für Positionen in der Leitungsebene unterhalb des Vorstands werden Uni-Absolventen bevorzugt“. Auch große Strategieberatungen wie McKinsey oder die Boston Consulting Group (BCG) schließen sich da an: „Wir möchten weiterhin die besten Universitätsabsolventen für eine Beraterkarriere gewinnen“, sagt BCG-Pressesprecherin Heidi Polke. Ein Beispiel für einen sehr erfolgreichen FH-Absolventen bietet der Vorstandsvorsitzende von Audi, Rupert Stadler. Es kommt also immer auf das Unternehmen an, wie viel Wert auf welchen Abschluss gelegt wird.

Durch die praxisorientierte Lehre an Fachhochschulen, die Praxissemester und Abschlussarbeiten, die in Zusammenarbeit mit Unternehmen entstehen, können Absolventen von FHs ihre Möglichkeiten auf einen direkt an das Studium anschließenden Job erhöhen. FH-Absolventen werden oft schnell und ohne Bewerbung nach ihrem Abschluss von Unternehmen übernommen, bei denen die ehemaligen Studenten ihre Praktika oder Kooperationen absolviert haben.

Durch die immer öfter eingeführten obligatorischen Praktika oder Auslandssemester an Unis wollen diese den möglichen Nachteil wettmachen und Praxisorientierung einführen. Doris Herrmann, Geschäftsführerin der Akkreditierungsagentur AQAS in Bonn sagt dazu: „Vor allem in den Geisteswissenschaften ist eine Veränderung deutlich spürbar“. Hier werden obligatorische Praktika etc. immer stärker in den Studienordnungen verankert.

Grundsätzlich darf man aber nicht vergessen, dass heutzutage nicht mehr zwischen den Abschlüssen unterschieden werden kann. Aufgrund des Bologna-Prozesses gibt es nur noch die Qualifikationen eines Bachelors und/oder die eines Masters und diese können sowohl an einer Fachhochschule als auch an einer Universität erlangt werden. Letztendlich liegt es beim zukünftigen Arbeitgeber, ob und in welchem Ausmaß wichtig ist, an welcher Hochschulform du die Qualifikation erreicht hast.

Fazit

FH Frage

An einer FH finden sich meist praxisorientierte Studenten. Der Praxisbezug wird hier während des Studiums gefördert, sodass die Absolventen bei ihrem Abschluss bereits Praxiserfahrung vorweisen können. Dies stößt auf positives Feedback bei den Arbeitgebern, die einen Praxis-Anteil während des Studiums bevorzugen. So bleibt eine Anlern-Phase aus und oft wird den FH-Absolventen vom Fleck weg eine Stelle angeboten, da sie und ihre Fähigkeiten dem Unternehmen durch Praktika oder kooperierende Arbeiten bereits bekannt sind.

Demgegenüber stehen die Uni-Absolventen, die verständlicherweise etwas länger brauchen, um die Praxis und somit nötigen Fähigkeiten im Unternehmen zu erlernen. Dem sollen die obligatorischen Praktika, die in letzter Zeit immer häufiger in Studienordnungen auftauchen, entgegenwirken. Es gibt heutzutage noch viele Unternehmen, die auf einen Universitätsabschluss Wert legen und bevorzugt Uni-Absolventen einstellen.

Der Bologna-Prozess bewirkt, dass eine mögliche Benachteiligung von FH-Absolventen bezüglich des Gehalts nicht mehr stattfindet. Große Unterschiede im Gehalt sind seit der Reform nicht mehr zu verzeichnen.

Letztendlich kommt es auf dich an, an welcher Hochschulform du dein BWL-Studium absolvierst. Wenn du nicht weißt, ob du besser an einer FH oder an einer Universität BWL studierst, solltest du dir die Hochschulen, die für dich in Frage kommen näher anschauen und dich dort oder an Infotagen über sie informieren. Es ist nämlich so: Die Lernkultur der jeweiligen Hochschule ist ausschlaggebend. Wenn du dir nicht vorstellen kannst in großen Hörsälen mit hunderten Kommilitonen zu sitzen, solltest du dich besser an Fachhochschulen einschreiben, die nach dem Studienqualitätsmonitor vom DZHW kleine Lerngruppen aufweisen. Wenn du damit jedoch kein Problem hast, gerne Teil einer großen Masse bist und Anonymität sowie Selbstinitiative zu schätzen weißt, bist du besser an einer Universität aufgehoben.

Du musst letztendlich entscheiden an welcher Hochschulform du BWL studieren möchtest. Dabei solltest du die jeweiligen Eigenschaften der Hochschule deiner Wahl sowie deinem Gefühl, wo du dich gut aufgehoben und gefördert fühlst, berücksichtigen.

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