Hochschulranking BWL: Hilft ein Ranking bei der Hochschulwahl?

Pünktlich zum Ende der Schulzeit werden die aktuellen Ergebnisse der Hochschulrankings veröffentlicht. Doch kann ein Hochschulranking für BWL tatsächlich helfen, die richtige Hochschule für das BWL-Studium zu wählen? Ist es überhaupt sinnvoll die Hochschulwahl von den Ergebnissen der Uni-Rankings beeinflussen zu lassen?

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Definition HochschulrankingWer die Wahl hat, hat die Qual – so oder so ähnlich fühlen sich jedes Jahr aufs Neue tausende Schulabgänger, die vor der Frage stehen, welche Hochschule denn nun die richtige für das Studium ist. Wer zumindest die Studienrichtung festgelegt hat, ist schon mal einen großen Schritt weiter. Denn jetzt fehlt eigentlich nur noch die passende Hochschule. Welche das ist, lässt sich nicht so einfach und vor allem nicht pauschal beantworten. Eine Hilfestellung bei der Wahl sollen Hochschulrankings darstellen. Ob ein BWL Hochschulranking tatsächlich die richtige Inspirationsquelle für die Studienwahl ist, wollen wir nachfolgend klären.

Definition: Was ist ein Hochschulranking? Was macht ein Hochschulranking?

Ein Hochschulranking bewertet die Qualität von Lehre und Forschung an Hochschulen anhand verschiedener Kriterien. Ziel ist es, für einzelne Fächer oder Fächergruppen verschiedener Hochschulen einen Vergleich zu erstellen, der die qualitativen Unterschiede herausstellt.

Mit den ermittelten Daten wird beispielsweise Studienbewerbern eine Entscheidungshilfe zur Seite gestellt, die die Wahl der richtigen Hochschule erleichtern soll. Darüber hinaus sind Hochschulrankings auch für andere Interessensgruppen – z.B. auch für Hochschulen, die selbst wissen wollen, wo sie stehen – von Bedeutung.

Ihren Ursprung haben die Hochschulrankings in den USA. Dort sind Hochschulbewertungen unglaublich populär und haben in den 1990er Jahren auch den Sprung nach Deutschland geschafft und sich hier etabliert. Wenn im Frühjahr die Schulabgänger die letzten Abiprüfungen absolvieren, erscheinen die neuen Hochschulrankings und sind für viele Interessenten Inspiration bei der Hochschulwahl – sofern der Studiengang schon feststeht. Denn nur so macht der Blick ins Hochschulranking Sinn. Einen Studiengang auszuwählen, weil eine Hochschule eine gute Bewertung bekommen hat, ohne dass man sich für das Studienfach interessiert, ist nicht das Ziel der Rankings.

Wie bewertet das Hochschulranking BWL eine Hochschule?

Eine klare und einheitliche Vorgabe von zentraler Stelle, wie ein BWL Hochschulranking auszusehen hat und welche Kriterien hier zugrunde gelegt werden, existiert nicht. Grundsätzlich kann jeder Herausgeber eines Hochschulrankings selbst entscheiden, welche Kriterien in die Bewertung einfließen und wie die einzelnen Punkte innerhalb des Rankings gewichtet werden. Auch die Darstellung der Ergebnisse ist nicht identisch: Einige Hochschulrankings stellen ihre Ergebnisse in Form von einzelnen Rangplätzen dar andere in Ranggruppen.

Es ist also nicht ganz leicht, einzelne Hochschulrankings miteinander zu vergleichen. Und ganz ehrlich: Wäre das so, würde es am Ende schließlich auch nur noch das eine Ranking geben. So hast du auch hier die Qual der Wahl.

Welche Rankings gibt es (national und international)?

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Hochschulrankings, die verschiedene Kriterien in ihre Bewertung einfließen lassen. Wir stellen dir hier einige nationale und internationale Hochschulrankings vor und beschränken uns dabei auf die größten und populärsten. Darüber hinaus gibt es, vor allem im internationalen Kontext, natürlich noch viele weitere Rankings.

Nationale Hochschulrankings

CHE Ranking
Logo CHE RankingCHE ist die Kurzform für Centrum für Hochschulentwicklung. Dieses wurde 1994 von der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz als gemeinnützige GmbH gegründet. Das CHE-Ranking ist in Deutschland das wohl bekannteste Hochschulranking – auch für den Bereich BWL. Das CHE Ranking wird beispielsweise auch in der großen Wochenzeitung DIE ZEIT veröffentlicht.

Das CHE-Ranking bezieht über 300 Hochschulen in Deutschland in die Bewertung ein und vergibt nicht einzelne Rangplätze, sondern teilt das Ergebnis in Ranggruppen ein.

Wer detailliert wissen möchte, welche Methodik hinter dem CHE-Ranking steckt, kann dies im entsprechenden Wiki nachlesen.

Wirtschaftswoche
Das Hochschulranking der WirtschaftsWoche entsteht in Zusammenarbeit mit der Beratungsgesellschaft Universum Communications und dem Personaldienstleister Access. Dieses Uni-Ranking basiert auf den Aussagen der Personalverantwortlichen aus verschiedenen, hauptsächlich großen, Unternehmen. Das Ranking der WiWo betrachtet nicht alle Studienfächer, sondern legt seinen Fokus auf die wirtschaftsnahen Fachbereiche wie BWL, VWL, Jura, Informatik oder Ingenieurwesen.

Handelsblatt
Logo HandelsblattSeit 2009 veröffentlicht das Handelsblatt ein reines BWL-Ranking. Gleiches gibt es auch für den Bereich VWL. Seit 2010 wird die Untersuchung vom Thurgauer Wirtschaftsinstitut (TWI) an der Uni Konstanz durchgeführt. Im BWL-Ranking des Handelsblatt wird die Forschungsleistung der Betriebswirte beurteilt. Die Erklärung zum methodischen Vorgehen findest du hier.

MeinProf
Logo MeinProf.deDas Hochschulranking MeinProf existiert seit 2007 und soll die Lehrqualität der Hochschulen bewerten. Auf diesem Portal haben Studierende aller Hochschulen die Möglichkeit, Kurse und Dozenten zu bewerten sowie zusätzliche Infos über diese zu geben. Eine Hochschule muss mindestens 1.000 Bewertungen bekommen haben, um im Ranking veröffentlicht zu werden. Bisher wurden über 390.000 Einzelbewertungen abgegeben, die in das Ranking einfließen.

Study-Check
Logo Study-CheckStudy-Check ist ein noch junges Ranking-Portal, das Studierenden und Absolventen eine Plattform zum Bewerten von Hochschule, Studiengang und Dozenten bietet. Das Ergebnis kann sich jederzeit verändern und ist jederzeit einsehbar, da Bewertungen zu jedem Zeitpunkt ohne Einschränkung abgegeben werden können.

Darüber hinaus findet man im Netz auch Uni-Rankings von Focus, Spiegel und FAZ. Diese wurden aber leider eingestellt und somit existieren hier keine aktuellen Ergebnisse.

Internationale Hochschulrankings

The Times Higher World University Ranking
Logo Times Higher RankingDas Times Higher World University Ranking wird vom Times Higher Education (THE), einem Londoner Magazin im Bereich Hochschulbildung, jährlich veröffentlicht. Im Ranking berücksichtigt werden Daten aus Befragungen von Akademikern, Statistiken der Universitäten sowie die Zählung der Zitierung von Artikeln in Fachzeitschriften. Wie der Name schon verrät, handelt es sich bei diesem Hochschulranking um ein internationales Ranking.

U-Multirank
Logo U-MultirankSeit Juni 2014 neu im Kreise der Uni-Rankings ist das U-Multirank Hochschulranking, das den Anspruch hat das größte Ranking der Welt zu sein. Hauptsächlich werden hier jedoch Hochschulen aus Europa betrachtet und darüber hinaus erscheinen die außereuropäischen Hochschulen (bisher) nur am Rande. Der Vorteil des U-Multirank soll die Suchmaske sein, die es jedem Nutzer ermöglicht, seine persönlichen Präferenzen (z.B. Fachrichtung, Hochschulgröße oder Forschungsintensität), um die Ergebnisse bestmöglich zu filtern. Als Bewertung gibt das Ranking in verschiedenen Bereichen Notenstufen von A „stark“ bis E „schwach“, so dass es keinen Gesamtsieger gibt. Ein Ergebnis á la „Beste Hochschule der Welt“ oder „Die 100 besten Hochschulen“ gibt es hier nicht.

Shanghai Ranking: Academic Ranking of World Universities
Logo Shanghai RankingDas Shanghai-Ranking ist ein globales Ranking, das hauptsächlich die Forschungsarbeit der 500 weltweit führenden Hochschulen betrachtet. 2009 gab es eine Erweiterung des Rankings, so dass nun auch einige wenige Fächergruppen bewertet werden. Eine Bewertung für BWL gibt es leider nicht, sondern nur für Sozialwissenschaften. Darüber hinaus auch noch für die Fachbereiche Ingenieurwissenschaften, Pharmazie/Medizin und Lebens- und Agrikulturwissenschaften. Die Ergebnisse des Shanghai Rankings werden jährlich veröffentlicht.

Hochschulranking BWL – Pro und Contra

Vorteile, Nachteile HochschulrankingAlle hier vor gestellten Hochschulrankings sind recht bekannt und populär. In Deutschland ist wahrscheinlich das CHE-Ranking das bekannteste und am weitesten verbreitete der zahlreichen Rankings. Ob es auch das Beste ist, muss jeder für sich entscheiden.

Die Hochschulrankings stehen allgemein stark in der Kritik, dennoch gibt es natürlich auch zahlreiche Befürworter. Größter Kritikpunkt ist die Frage nach der Gefährdung von Freiheit und Lehre der Forschung durch die Beurteilung mittels Hochschulranking. Ebenfalls bemängelt wird die oft fehlende Transparenz der Methodik zur Erhebung der Daten. Nach Meinungen der Gegner ist die Datenerfassung und -erhebung nicht eindeutig ersichtlich und die Erklärungen hierzu oft mangelhaft, so dass das Verfahren hinter dem Hochschulranking oft unklar bleibt.

Bei Rankings, deren Daten auf den Angaben von Studierenden oder Absolventen basieren, wird die mangelnde Objektivität kritisiert. Hier würde nur das Verhältnis von Erwartungen zum tatsächlichen Angebot betrachtet, so dass kein sachliches Ranking entstehen könne.

Als schwierig empfunden wird auch die Aussagekraft der sogenannten Personalerrankings, wie z.B. bei der WirtschaftsWoche, in denen Personalverantwortliche von Unternehmen Hochschulen bewerten. Auch hier kann keine objektive Auswertung durchgeführt werden. Zudem sollen viele Datenerhebungen, besonders Online-Umfragen, anfällig für Manipulationen sein.

Befürworter von Hochschulrankings begrüßen den steigenden Wettbewerb, der durch die Veröffentlichung der Ergebnisse hervorgerufen wird. Zum einen können Rankings das Nachfrageverhalten der Studienbewerber verändern und höhere Zuflüsse von Drittmitteln bringen. Zum anderen bekommen die Hochschulen so einen Anreiz evtl. Mängel der Qualität in Lehre und Forschung zu verbessern.

Fazit: Kann/ Sollte man seine Hochschule nach einem Ranking auswählen?

Icon FazitDie Beantwortung dieser Frage möchten wir gerne dir überlassen. Denn ein klares Ja oder Nein ist hier wohl fehl am Platz. Vielleicht könnte man als Ansatz bei der Beantwortung dieser Frage einen goldenen Mittelweg finden und sagen, dass man ein Hochschulranking für die Hochschulwahl zu rate ziehen kann, sich aber nicht ausschließlich hierauf verlassen sollte.

Ob ein Hochschulranking für dein BWL-Studium relevant ist, hängt auch von deinen beruflichen Zielen und Erwartungen an die Hochschule ab. Legst du besonders viel Wert auf Forschungsarbeit und möchtest von Professoren unterrichtet werden, die bereits zahlreiche Fachartikel in einschlägigen Magazinen veröffentlicht haben, dann kann ein Blick ins Hochschulranking sicher sinnvoll sein. Denn vor allem Rankings, die ihren Fokus auf den Bereich Forschung legen, beziehen die Anzahl veröffentlichter Artikel in der Fachliteratur mit in die Bewertung ein.

Die Frage, die du dir stellen solltest ist die, ob es überhaupt die eine, die beste Hochschule geben kann. Wir meinen: das geht nicht! Oder zumindest ist es kaum vorstellbar. Jedes Hochschulranking bewertet andere Kriterien. Du hast also schon vom Start weg keine Chance Hochschulen in verschiedenen Rankings zu vergleichen. Der nächste wichtige Punkt ist, dass Uni-Rankings häufig das gesamte Hochschulangebot beurteilen und nicht einzelne Studienfächer. Und selbst wenn sie dies tun, dann bietet nicht jede Hochschule ein identisches Studienangebot. Im Fach BWL z.B. gibt es zahlreiche Vertiefungsrichtungen und Studienausrichtungen. Natürlich sollst du hier ein Angebot wählen, dass dir zusagt und nicht eines wählen, dass vielleicht besser abgeschnitten hat, aber nicht deine Interessen enthält.

Auch die Anzahl der Befragten spielt eine Rolle. Wurden zu deinem Studienfach nur wenige Studierende befragt, ist es schwierig diese wenigen Aussagen als allgemeingültig zu betrachten.

Und jetzt?

Fazit zum HochschulrankingStellst du dir gerade genau diese Frage? Aus unserer Sicht kann der Blick ins Hochschulranking nicht schaden, allerdings sollte das dortige Ergebnis nicht deine gesamte Entscheidung beeinflussen und dir die Wahl der Hochschule abnehmen. Vielmehr sollte das Uni-Ranking eine Art Inspiration, ein Anhaltspunkt sein, der in deine Überlegungen mit einfließt, dem aber keine allzu große Bedeutung beigemessen wird.

Schau genau hin, welche Kriterien in die Bewertung einer Hochschule oder eines Studiengangs im Ranking einfließen. Verlier dabei nie deine persönlichen Wünsche, Ziele und Erwartungen aus den Augen und frag dich immer wieder, was du möchtest und welche Schwerpunkte bei der Hochschulwahl für dich besonders relevant sind. Wenn die Punkte auf deiner Liste mit dem Ergebnis eines Rankings übereinstimmen: gut. Wenn nicht: auch nicht schlimm.

Bedenke auch, dass nicht alle Hochschulen in den Rankings zu finden sind. Vielleicht gibt es ein paar Hochschulen, die ein für dich passendes Studienfach mit den richtigen Schwerpunkten anbieten, du diese aber nicht in Betracht gezogen hast, weil sie nicht im Ranking sind.

Tipp IconEin kleiner Tipp von uns: Nimm dir bei der Hochschulwahl Zeit. Schau dir die verschiedenen Angebote genau an und finde heraus, was für dich passend ist. Auch ein Besuch an der Hochschule kann nicht schaden. Dann kannst du dir vor Ort einen Eindruck machen, dir die Gebäude angucken oder dich in eine Vorlesung setzen.

Eine Übersicht aller Unis, FHs und Akademien, die ein BWL-Studium in Deutschland anbieten, findest du übrigens in der Datenbank – vielleicht erleichtert das deine Suche ja auch schon ein kleines bisschen.

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